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- Morgens wurde mein Arm genäht, mittags war ich schwimmen. -

09. Dezember

Autor: Lena Neuburg

Machst du noch Triathlon? Hast du aufgehört? Wann sieht man dich mal wieder beim Training?
Fragen, die ich im letzten Jahr sehr oft gehört habe und immer mied.
Entweder, weil ich es selber nicht wusste, mich nicht damit beschäftigen wollte oder weil es denjenigen einfach nichts anging.

Ich habe mit Triathlon aufgehört, mache gerade so gut wie keinen Sport und das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern. Um es vorweg zu nehmen: Ich verbinde noch zu viele Schmerzen dem Sport.

Gerhard hat mich gefragt, ob ich etwas über meine Triathlonzeit schreiben möchte. Über meine erfolgreiche Zeit und meinen Abschied.
Mein erster Gedanken war: Auf keinen Fall. Warum? Weil ich mich schäme. Ich habe das Gefühl, es nicht geschafft zu haben, ich war zu schwach für die Ansprüche im Leistungssport.

Dabei habe ich sehr viele schöne Momente erlebt und unglaublich herzensgute Menschen kennengelernt.
„Erfolgreich“ zu sein war dabei eine Motivation und Belohnung. Viel wichtiger aber war für mich immer, dass mich der Sport mit Leben gefüllt hat, ich hatte das Gefühl ich selbst zu sein. Auch wenn ich mich manchmal zum Training überwinden musste, überwog immer das gute Gefühl.

Warum habe ich dann aufgehört?

Frühjahr 2017. Eine Verletzung hat mich aus meiner gewohnten Trainingsroutine geworfen.
Schnell haben mein damaliges Team (Trainer, Physio etc.) und ich einen neuen Plan entwickelt und weiter nach vorne geschaut.
Allerdings habe ich einen wichtigen Faktor übersehen. Meinen Kopf, meine Psyche.
Von da an gab es immer wieder einzelne Momente, aber auch Stunden und Tage, an denen ich mich kaputt und überfordert gefühlt habe.
Ich wollte alleine sein, nicht aufstehen. Standen Tempoläufe auf meinem Trainingsplan, hatte ich das Gefühl, jemand bläst in meinem Kopf einen Luftballon auf. Immer weiter, obwohl mein Kopf schon lange hätte platzen müssen.

Irgendwann war ich körperlich wieder gesund, aber die psychischen Probleme blieben.

Zwar habe ich ab und zu erwähnt, dass ich mich kaputt fühle, mal eine Pause brauche, jedoch im gleichen Satz gesagt, dass es schon irgendwie passt und es mir gut geht.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich niemand bin, der schnell, geschweige denn gerne aufgibt oder auch nur mal einen Gang zurückschaltet.
Ich hatte ein Ziel vor Augen, das man nicht erreicht, indem man mal Pause macht. Dachte ich zumindest.
Ca. 1,5 Jahre habe ich fast täglich gekämpft. Auf Tage voller Euphorie, folgten Tage, an denen Aufstehen schon all meine Kräfte forderte. Ich erlebte extreme Höhen und Tiefen, was über die Zeit unglaublich anstrengend war.

Irgendwann lag ich mehrere Tage wie gelähmt in meinem Bett. Dann packte ich eine Tasche und fuhr von Saarbrücken nach Hause.

Es war mehr wie eine ferngesteuerte Handlung und nicht wie etwas, was ich selber tat.
Es war unglaublich schmerzhaft und befreiend zugleich. Einerseits habe ich dadurch auf einen Schlag fast meinen kompletten Lebensinhalt verloren, andererseits wurden meine Schultern von kiloschweren Säcken befreit.

Ich weiß, dass einem niemand eine solche Entscheidung abnehmen kann. Auch, weil man mit 18/19 Jahren als erwachsen gilt.
Ich weiß auch, dass ich klarer hätte sagen sollen, dass es mir nicht gut geht.
Trotzdem wünsche ich mir im Nachhinein, jemand hätte mich früher energischer dazu ermutigt, Pause zu machen. Egal, ob Pause für ein paar Wochen oder Pause für immer.

Niemandem, der sich augenscheinlich selber verletzt, geht es gut. Auch, wenn die Person selber, etwas anderes behauptet.
Die meisten, mit denen ich täglich zu tun hatte, oder die, die mich untersucht/ behandelt haben, wussten es.
Manche haben es ignoriert. Andere haben sich damit abgefunden, dass ich gesagt habe, es geht mir gut, ich gehe ja zum Psychologen. Einige wenige haben wirklich probiert mich zu verstehen und mir zu helfen.
Mir ist klar, dass jeder nach bestem Gewissen im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt. Als Erinnerung möchte ich zwei Sachen erwähnen.

Jeder Athlet ist unterschiedlich. Jeder hat eine andere Persönlichkeit, jeder hat andere Erfahrungen durchlebt. So steckt der eine (mehrere) Verletzungen oder Rückschläge (von außen betrachtet) problemlos weg, der andere nicht.
Aber kennt man seinen Athleten wirklich? Und damit meine ich keine Daten oder Zahlen.
Ich denke, es schadet niemandem, dem Menschen hinter dem Athleten mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sensibler gegenüber kleinen Signalen von Erschöpfung/ Hilferufen zu werden.
Und mir selber muss ich immer wieder klar machen: Sich Schwäche einzugestehen und mal Pause zu machen, heißt nicht schwach zu sein, sondern zeugt von Stärke auf sich selbst aufzupassen.

Und das beziehe ich nicht nur auf Triathlon, sondern auf viele Lebensbereiche.

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit mit viel Achtsamkeit gegenüber Mitmenschen und sich selbst.

#Jemeinsam mit Proathletes, Bioracer Germany, Autohaus Rolf Horn und Sports-Block

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