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22. Dezember - „Plädoyer für Abenteurer“ von Benja Herrera

1916. Sir Ernest Shackleton legt mit einigen wenigen Crew-Mitgliedern in einem lediglich sechs Meter langem Rettungsboot über 720 nautische Meilen nach Südgeorgien zurück, überquert als Erster die extrem bergige, zerklüftete und von Eis bedeckte Insel und rettet seine seit beinahe zwei Jahren im Eis der Arktis gefangene Mannschaft. 1972. Nach 62 Tagen im Schnee wagen Fernando Parrado und Roberto Canessa, zwei der Überlebenden des Flugzeugunglücks der Fuerza-Aérea-Uruguaya- Maschine, das Unmögliche und holen nach 10 Tagen Qual durch die unwirtliche Bergwelt der Anden Hilfe und Rettung für ihre verunglückten Freunde. Die Geschichte der Menschheit ist gespickt von unglaublichen Ausdauerleistungen. Die meisten, die diesen Text lesen, dürfen sich glücklich schätzen, dass sie in der Position sind, sich das Ausmaß ihrer bevorstehenden Abenteuer aussuchen zu können. Diesen Luxus kosten einige aus, indem sie mit dem Fahrrad innerhalb von 24h von Krefeld nach Zürich (670km??) fahren. Andere fragen ihren Trainer, ob die Straße von Gibraltar schwimmend zu durchqueren nicht eine prima Schwimmeinheit wäre. Er wäre gerade mit seiner Freundin da. (Der Trainer konnte den Athleten von dieser brillanten Idee abbringen…) Triathlon, aus einer Schnapsidee geboren, wird zunehmend professioneller. Dank moderner leistungsdiagnostischer Verfahren lassen sich Wettkampfleistungen immer präziser vorhersagen. Ich finde es daher persönlich immer wieder sehr angenehm, das Berechenbare um das Unberechenbare zu erweitern. Die Erweiterung der Formel um eine unbekannte Variable bedeutet Abenteuer. Ob die Lewis & Clarke, die Scotts und Amundsens unserer Zeit Triathleten werden, mag man bezweifeln, aber eines verbindet Abenteurer und Sportler. Eine Idee, sich in den Kopf zu setzen und sie zu verfolgen. Seien es Bergbesteigungen, transkontinentale Radreisen oder hirnverbrannte Treppenläufe in Institutsgebäuden, es beginnt immer mit einem harmlosen Gedankenexperiment, das oft lange vor sich hin schwelt, bevor es letztendlich unweigerlich das Hirn seines Wirtes komplett annektiert. Aber jeder beginnt mal klein. Für mich begann alles mit einem schicksalsträchtigem Tag während des Ski-Trainingslagers des NRWTV in Ruhpolding. Unsere Trainerin Grit hatte uns sechs Stunden Dauerbelastung auf den Plan geschrieben. Der Inhalt war vollkommen uns überlassen. Was machen also die leichtsinnigen übermotivierten Jungs? Wir bestiegen den Berg hinter unserem Haus. Ohne einem Weg oder Pfad zu folgen, kämpften wir uns geradeaus das Schneefeld nach oben. Teilweise sanken wir fast bis zur Brust ein, Lawinen, Felsspalten oder ähnliche Risiken waren uns Flachlandtirolern aus NRW nicht bekannt und hemmten uns dementsprechend nicht in unserem Gipfelrausch. Die Stimmung war hervorragend und nach ein paar Stunden Schwerstarbeit erreichten wir den Gipfel bei strahlendem Sonnenschein. Oben angekommen, mussten wir zwar feststellen, dass von der anderen Seite ein Sessellift auf den Gipfel führte, aber das schmälerte unsere heroische Tat nur wenig. Der direkte Abstieg/Rutschpartie auf der gleichen Route verlief rasant, aber unglaublicherweise ohne größere Zwischenfälle. Die Flamme dieses kleinen Mini-Abenteuers sollte ich erst Jahre später in Alaska wirklich wiederentdecken. Aber das ist eine andere Geschichte. Welche Abenteueridee spukt in eurem Kopf herum?


#Jemeinsam mit ProathletesAutohaus Rolf Horn und Sports-Block

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