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Hawaii III

15. Dezember
Drei Ktt'ler bei der Ironman-WM auf Hawaii, das hat es noch nie gegeben. Sie stehen in der noch relativ kurzen KTT-Hawaii-Tradition von Marco Mühlnikel, Frederik Martin und Dirk Schnöring.
Hier der dritte und letzte Teil des Hawaii-Berichts von Tommy Pro Boarder, Flo Schmidbauer und Tobias Drachler:
Thomas Schertel:
Dass Laufen nicht unbedingt schlecht sein muss, wenn man schon vorher auf dem Rad gestorben ist, habe ich bereits in vergangen Rennen erlebt. Und so fühlten sich die ersten Kilometer auf der Laufstrecke tatsächlich noch recht gut an. Das lag sicher auch daran, dass die ersten 10 km durch das mit Zuschauern gesäumte Kona führten, was natürlich nochmal zusätzlich motiviert. Ich begann allerdings auch schon recht früh, bei den Verpflegungstellen zu gehen und versuchte, alles mitzunehmen, was ich bekommen konnte. Cola und Red Bull in mich, Eis unter die Kappe und das Trikot. Kurz bevor man dann wieder auf den Highway abbiegt, muss man noch die Palani Road hoch. Was im Fernsehen relativ unspektakulär aussieht, sind tatsächlich ungefähr 500 m mit teilweise 10 % Steigung. Nach der Hälfte dieses Anstiegs schaltete mein Kopf aus und ich begann zu gehen. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich nur noch das Ziel erreichen, Zeiten waren mir egal. Mein Körper und Kopf waren an diesem Tag nicht bereit, sich bis zu den Grenzen des physisch und psychisch Möglichen zu quälen. Zwei Langdistanzen innerhalb von 3 Monaten mit einem Fulltime Job waren dann doch etwas zu viel für mich. Aber ich wollte ins Ziel kommen, egal wie lang der Tag noch werden sollte. Auf dem Highway bergauf und –ab, durch das Energy Lab und zurück nach Kona hangelte ich mich immer von einer Verpflegungsstelle zur nächsten. Und nach einem 3h 55 min Marathon und einer Gesamtzeit von 10 h und 7 min schaffte ich es noch bei Tageslicht ins Ziel. Obwohl ich zuvor gesagt habe, es wäre das erste und letzte Mal, würde ich vielleicht schon noch einmal bei diesem besonderen Wettkampf starten, um eine bessere Leistung abzurufen. Nichtsdestotrotz war es die Reise und die Erfahrung wert.
Flo Schmidbauer:
Nach den ersten 12 Kilometern geht es auch schon die Palani Road hoch und raus auf den Queen K Highway. Das Rennen beginnt.
So viel Körner mich die ersten 7 Stunden gekostet haben, so viel kosten mich gefühlt die ersten 5 Kilometer auf dem Highway. Raum und Zeit verschwimmen, keine Ahnung, was ich da überhaupt tue aber einfach irgendwie weitermachen. Ab 25km wird das Cola-Game angeworfen, um irgendwie durch das Energy Lab zu kommen. Die Kilometer von dort zurück sind unfassbar hart. Man will einfach nur noch ins Ziel. Und liegen.
Bei 40km realisiere ich, dass die Sub9 wahrscheinlich drin ist. Kurz später laufe ich durch die Menschenmengen und klatsche schreiend mit meiner Family ab. Die letzten Meter sind das, was mich seit 2 Jahren motiviert hat. Sie erfüllen die Erwartungen. Und lassen sich nicht in Worte fassen. Im Ziel steht mit dem 4. Platz in der AK M25-29 und einer Zeit von 8:59 Stunden ein Ergebnis, das ich mir nicht besser hätte vorstellen können.
Damit konnte ich ein Projekt abschließen, dass vor knapp 3 Jahren begonnen hat und mit Radunfall, abgesagtem Ironman-Start und Sub9 beim Ironman Vichy lehrreich, wechselhaft und unvergesslich war. Ein riesiges Dankeschön geht an jeden Einzelnen, der mir diese Reise ermöglicht hat und mich unterstützt hat.
Jetzt wird erstmal gechillt. Keine Ahnung was danach kommt. Aber spannend wird es sicher.
Tobias Drachler:
Der Lauf beginnt wie das Radfahren ...gruselig.
Bei km 1,6 denke ich schon: das wird hier heute ein Wandertag.
Ich bleibe dran, quäle mich bis zum ersten Wendepunkt und finde nicht meinen, aber immerhin einen Rhythmus.
"Es rollt" wäre geprahlt, aber es ist immerhin kein Kriechen mehr.
Nach und nach sammel ich "am Straßenrand verendete/verendende" Profikollegen ein und auch am Schluss muss ich nochmal beißen.
Der letzte Konkurrent wird kurz vor der Zielgeraden "überlaufen" und wie ich meine Eltern, Freunde und Supporter sehe, weiß ich, wofür das heute alles war und warum aufgeben noch nie eine Charaktereigenschaft von mir war.
Vom Ziel bekomme ich nicht mehr so viel mit, werde schnell in den After-Race-Bereich geschleust.
Ein Fazit aus diesem Rennen: Gut gekämpft, nur teilweise zufrieden, ein geiles Erlebnis, viel über mich selbst gelernt, ich komme wieder.
#Jemeinsam mit Petko Beier - Photography, Proathletes, Bioracer, Autohaus Rolf Horn und Sports-Block

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